Schaffhauser Nachrichten

Publiziert am 08.04.2013

Herr Kucans Gespür für die Situation

Fotograf Marijan Kucan lässt in seinen Arbeiten die abgebildeten Elemente zu einem Ganzen verschmelzen.Bild Selwyn Hoffmann

 

In der Galerie Kraftwerk ist noch bis zum 28. April ein eindrücklicher Querschnitt durch das Schaffen des Fotografen Marijan Kucan zu sehen.

von Daniel Lay

Einen besseren Ort als die Galerie Kraftwerk lässt sich für Marijan Kucans Fotoausstellung «KuMa66», deren gut besuchte Vernissage am Freitagabend stattfand, wohl kaum finden. Denn wenn man in den Gängen des Kraftwerks an den Wänden entlanggeht, um die rund fünfzig Farb- und Schwarz-Weiss-Fotografien aus dem langjährigen Schaffen Kucans zu betrachten, hört man beständig ein Brummen: das Wasser, das langsam und stetig den Rhein herunterfliesst und dabei – quasi im Vorbeigehen – die Turbinen des Kraftwerks antreibt. Genau diese Naturelemente wie Wasser, Wolken oder Schnee sind es nämlich, die in ihrer stillen Kraft – sodass es absolut verfehlt wäre, von Naturgewalten zu sprechen – einen Grossteil von Kucans Bildern prägen.

Reduktion

Die eindrücklichsten dieser Landschaftsaufnahmen halten eine besondere Stimmung, eine besondere Konstellation der Elemente fest. Einen Leuchtturm zum Beispiel, der aufgrund der Lichtverhältnisse nur als schwarze Silhouette erscheint, umgeben von Blau: oben das Blau des Himmels, unten das Blau des Meeres. Oder eine Aufnahme von Schaffhausen, als solche erkennbar nur am Kirchturm der Steigkirche sowie an den schemenhaften Hügelketten und Bergen im Hintergrund. Denn die Hauptrolle im Bild spielen die Wolken und Nebelschwaden, die über der Stadt liegen. Durch dieses spezielle Gespür für die richtigen Situationen kann Marijan Kucan auch bekannten Motiven wie dem Rheinfall oder – wie gerade erwähnt – Ansichten von Schaffhausen etwas Neues abgewinnen. Diese besondere Fähigkeit des Künstlers brachte Mario Ciceri, Vizepräsident des Fotoclubs Schaffhausen, in seinen einleitenden Worten treffend folgendermassen auf den Punkt: «Marijan Kucan sieht oft viel mehr, als andere am gleichen Ort sehen.» Ausserdem habe Kucan – so Ciceri weiter – ein gutes Auge für die Komposition und die Gestaltung der Bilder. Dieser Faktor sei gerade in der heutigen Zeit, in der einem die immer besseren Kameras einen Grossteil der Technik abnehmen würden, immer wichtiger für einen Fotografen. Der Mensch und von Menschenhand Geschaffenes kommen bei den ausgestellten Farb- und Schwarz-Weiss-Bildern jeweils nur am Rande vor. Wenn sie dann doch auftauchen, dann fügen sie sich wunderbar in die Komposition ein, werden Teil der dominanten Natur und ihrer Elemente: Das Auto versinkt beinahe in den Schneemassen, die Apparate sind alt und zeigen Spuren der Abnützung, die grossen Kanalisationsrohre sind vom Rost zerfressen und der Zahn der Zeit nagt an ihnen. Es entsteht unweigerlich der Eindruck, als würden die Naturelemente in einem heimlichen Bündnis mit der Zeit das vom Menschen Erzeugte wieder vereinnahmen und zurückerobern.

Menschen zu Scherenschnitten

Und auch für den Menschen findet Marijan Kucan in einigen seiner Bilder eine überaus einfache und geradezu poetische Art und Weise, damit sie in den Aufnahmen wieder Teil des Ganzen werden, mit den allgegenwärtigen Naturelementen verschmelzen. Besonders eindrücklich in einer Serie von fünf Bildern, die Badende an einem See oder am Meer zeigt. Durch die gewählten Einstellungen und die äusseren Umstände sind die Badenden, die sich auf einem Sprungturm vergnügen, nur als schwarze Schablonen erkennbar. Die Menschen wirken beinahe wie Figuren in einem Scherenschnitt. Sie werden dadurch zwar klein und unwichtig, fügen sich aber perfekt in das ganze Bild, in die Natur ein, sind Teil des Ganzen.

Die Ausstellung kann noch bis zum 28. April jeweils am Freitag von 16 bis 19 Uhr oder am Samstag und Sonntag von 15 bis 19 Uhr besucht werden.

 

Galerie Kraftwerk

Mühlenstrasse 21

8200 Schaffhausen / CH

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